Zum auch als Nachlass bezeichneten Erbe gehören sämtliche Hinterlassenschaften eines Verstorbenen. Ein Anrecht auf den Besitz besagter Hinterlassenschaften steht den Erben zu. Wer ein solches Anrecht besitzt, ist ausführlich per Gesetzgebung festgehalten. Während seiner Lebzeiten hat der Erblasser die Möglichkeit, direkten Einfluss auf die Verteilung des Erbes zu nehmen. Trotz Verfassung eines Testaments und potentieller Enterbung steht Erbberechtigten ein Pflichtteil des Nachlasses zu. Die Höhe des Pflichtteils ist gesetzlich definiert.

Gesetzliche Grundlagen und festgelegte Erbfolge

Liegt ein gültiges Testament des Erblassers vor, so ist es bei der Bestimmung der Erbfolge zu berücksichtigen. Für die Gültigkeit des Testaments besteht die Notwendigkeit einer notariellen Beglaubigung, die geistige Gesundheit des Erblassers bei Verfassen der Niederschrift vorausgesetzt. Bei fehlen eines derartigen Dokuments greift automatisch die gesetzlich festgelegte Erbfolge. Auch nach vollumfänglicher testamentarischer Enterbung steht nächsten Angehörigen ein Pflichtteil zu. Das Deutsche Erbrecht unterteilt Erben in verschiedene Ordnungen absteigender Wichtigkeit. Auch innerhalb dieser Ordnungen herrscht eine bestimmte Hierarchie.

  1. Ordnung: Ehegatten und Kinder sowie Enkel, Urenkel und weitere Abkömmlinge
  2. Ordnung: Eltern und Geschwister, Nichten, Neffen etc.
  3. Ordnung: Großeltern und Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins etc.
  4. Ordnung: Urgroßeltern und Großonkel, Großtanten etc.

Für Ehepartner ist der Paragraph 1931 des Gesetzlichen Erbrechts von Ehegatten des BGB von Bedeutung. Unabhängig von der Erbfolge erhalten Lebenspartner ein Viertel neben Verwandten der ersten Ordnung und eine Hälfte neben Verwandten der zweiten Ordnung des Nachlasses. Eingetragene Lebenspartner stellt das Erbrecht Ehepartnern gleich.

Erfordernis eines Erbscheins

Das amtliche Dokument dient Erben als Nachweis über die Berechtigung zum Erhalt des Erbes. Bei Erhalt einer Immobilie des Verstorbenen ist der Erbschein von Belang, um eine Änderung im Grundbuch herbeizuführen. Von der Ausstellung eines Erbscheins lässt sich bei Eintritt folgender Szenarien absehen:

  1. Das Erbe umfasst keine Immobilien
  2. Ein Erbvertrag oder notariell beglaubigtes Testament ist vorliegend

Die Beantragung des Erbscheins erfolgt beim zuständigen Amtsgericht. Auch Erbengemeinschaften können einen Erbschein beantragen. Mithilfe des Erbscheins, eines Erbvertrags oder Testaments erfolgt die Nachweisung des Erbrechts bei der Bank des Verstorbenen. Im Falle offener Rechnungen lassen sich diese so begleichen.

Ausschlagen des Erbes

Das Erbe schließt sämtliche Hinterlassenschaften des Verstorbenen ein. Dazu gehören Gelder, Wertgegenstände, Sparkonten und Immobilien, doch auch laufende Kredite, rückständige Mieten und Schulden. Übersteigen die Schulden vorhandene Werte, lässt sich ein Erbe unter Berücksichtigung einiger Formalitäten ausschlagen. Eine Ablehnung in Schriftform hat innerhalb einer Frist von sechs Wochen beim zuständigen Nachlassgericht einzugehen. Erbberechtigte verzichten somit sowohl auf sämtliche Ansprüche als auch auf den zustehenden Pflichtteil. Versäumen Erbberechtigte die Frist, sind sämtliche Kosten aus eigener Tasche zu tragen.

Die Kosten für eine angemessen Beerdigung sind auch nach Abschlag des Erbes von den Erbberechtigten zu tragen. Ist ein Erbe mittellos, übernimmt das Sozialamt sämtliche anfallenden Kosten.

Grundsätzliches zur Erbschaftssteuer

Auf das Erbe erhebt der deutsche Staat eine Steuer, die abhängig vom Wert der Hinterlassenschaften ist. Bestimmt von der Erbfolge bestehen folgende Freibeträge für nahe Angehörige:

  1. Ehegatten und Lebenspartner – 500.000 Euro
  2. Kinder – 400.000 Euro
  3. Enkelkinder – 200.000 Euro
  4. Eltern und Großeltern – 100.000 Euro
  5. Sonstige – 20.000 Euro